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Reiseimpfungen - Gesund aus dem Urlaub!

Neben den klassischen Urlaubsländern im Süden Europas werden auch Fernziele immer beliebter. Bei den vielfältigen Reisevorbereitungen kommt der Gesundheitsaspekt allerdings häufig zu kurz: Wir denken zu wenig an die möglichen Gefahren, die in den Urlaubsländern auf Reisende einwirken können. Vielen Urlaubern ist gar nicht bewusst, dass die Infektionsgefahr mit Krankheitserregern bei jeder Fernreise, aber auch schon am Mittelmeer, größer ist als zu Hause.



Trotzdem ist es vielen lästig, vor dem Urlaub - eventuell sogar mehrmals - extra den Arzt aufsuchen zu müssen. Ist zudem ein Last-Minute-Flug geplant, folgen allzuviele dem Motto: "Augen zu und durch". Wie "erfolgreich" solche Strategien z. B. vor Tropenkrankheiten schützen, zeigen folgende Zahlen: Von 100.000 Tropenreisenden pro Monat liegt die geschätzte Anzahl der Personen, die an Reisedurchfall leiden, bei 35.000, an Hepatitis A (Leberentzündung) erkranken schätzungsweise allein unter den Trampern etwa 2.000.

Impfungen bieten dem Reisenden gegen eine ganze Reihe von Krankheitserregern zuverlässigen Schutz. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass den Reisenden die Notwendigkeit solcher Maßnahmen überhaupt bewusst ist!

Die wichtigsten Impfungen im Überblick:


Schluckimpfungen gegen Typhus und Kinderlähmung

Jährlich treten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit über 32 Millionen Typhusfälle auf. Gefährdet sind auch Reisende aus den Industrieländern, die ohne Impfschutz in Länder mit tropischem oder subtropischem Klima fahren. Auch in einigen Gebieten Südosteuropas besteht Ansteckungsgefahr. Immer noch werden in Deutschland Typhusfälle diagnostiziert, von denen die meisten aus dem Ausland eingeschleppt werden.

Typhus ist eine Darmerkrankung, die weit verbreitet ist und auf allen Kontinenten vorkommt. Mit verseuchter Nahrung oder Wasser gelangen die Typhus-Bakterien in den Körper und können eine schwere Allgemeinerkrankung auslösen.

Der Typhus ist in den meisten Ländern der tropischen Gebiete Asiens, Afrikas, Süd- und Mittelamerikas weit verbreitet, besonders in Ländern mit mangelhafter Hygiene und Trinkwasseraufbereitung sowie unzureichender Abfallentsorgung. In den Entwicklungsländern erkranken häufig Kinder, da sie sehr empfänglich für Typhus sind. Dabei reicht schon eine geringe Infektionsdosis der Erreger aus, um bei ihnen eine Erkrankung hervorzurufen.

Eine andere wichtige Impfung vor einer Reise ist die Immunisierung gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung, kurz: Polio). Diese äußerst ansteckende Infektionskrankheit wird durch drei verschiedene Viren ausgelöst.

In Europa spielt sie zwar heute kaum mehr eine Rolle, dennoch ist sie weltweit verbreitet, besonders in den Entwicklungsländern. Nur wer ausreichend geimpft ist, kann sicher sein, nicht an Kinderlähmung zu erkranken. So kommt es weltweit immer noch zu etwa 1.500 Neuerkrankungen pro Jahr. Insgesamt leiden auf der Erde etwa 10 Millionen Menschen an Lähmungen, die nach Poliomyelitis-Erkrankungen aufgetreten sind.

In Deutschland erhält in der Regel jedes Kind in den ersten zwei Lebensjahren eine Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung. Diese sollte jedoch bei erhöhtem Infektionsrisiko alle zehn Jahre wieder aufgefrischt werden, um den Immunschutz weiterhin zu erhalten. Eine Tatsache, die leicht vergessen wird. Diese Fahrlässigkeit kann z. B. Reisende leicht zum Verhängnis werden.

Sowohl gegen die Kinderlähmung als auch gegen den Typhus gibt es gut wirksame und außerordentlich gut verträgliche Schluckimpfstoffe. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt vor Reisen in warme Länder die Wiederimpfung gegen Poliomyelitis mit dem Schluckimpfstoff, wenn die letzte Impfung länger als 10 Jahre zurückliegt. Etwa ein Drittel der Bundesbürger über 40 Jahre sind heutzutage ungenügend vor Polio geschützt. Die Typhus-Schluckimpfung sollte eine Woche vor Abreise abgeschlossen sein und bietet Schutz für etwa ein Jahr.

 

Hepatitis-A-Infektion

Hepatitis A (eine infektiöse Leberentzündung) ist diejenige Infektionskrankheit, die auf Reisen mit am häufigsten erworben wird. Die Hepatitis-A-Viren werden durch verunreinigtes Trinkwasser und Lebensmittel übertragen, d. h. überall dort, wo keine strenge Trennung von Abwasser und Trinkwasser und keine ausreichende Trinkwasseraufbereitung erfolgen.

Leider muss man auch in traditionellen Urlaubsgebieten damit rechnen, denn oft ist die Infrastruktur dieser Länder durch die ständig steigende Zahl der Touristen überfordert. Eine Ansteckung kann aber auch durch Benutzung verunreinigter sanitärer Anlagen erfolgen.

In der Regel kommt es drei bis vier Wochen nach Aufnahme des Virus zum Ausbruch der Krankheit mit starker Übelkeit, Fieber, Erbrechen und Durchfall. Diese Beschwerden halten oft wochen- oder sogar monatelang an. Schon ein bis zwei Wochen vor Ausbruch der Krankheit werden Viren mit dem Stuhl ausgeschieden. Die Krankheit führt nur selten zum Tode und es gibt, im Gegensatz zu anderen Hepatitisformen, keine chronischen Verläufe. Sie bedeutet aber für Kinder oft Entwicklungsstörungen und für Erwachsene meist schwere und lange Krankheitsverläufe.

Gutes Hotel = optimale Hygiene?
Auch wenn das Hotel seine Qualität mit mehreren "Sternen" belegt, ist dies keine Gewähr für optimale Hygiene und keimfreies Essen und Trinken. Da das Virus nur über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird, kann man versuchen, sich durch strenge, persönliche Hygiene zu schützen ("Kochen, schälen oder vergessen"). Doch oft liegt der besondere Reiz von Auslandsreisen in exotischen Nahrungsmitteln oder Zubereitungen, mit denen auch das Virus aufgenommen werden kann.

Gegen Hepatitis A steht eine wirksame und gut verträgliche Schutzimpfung zur Verfügung. Sie empfiehlt sich besonders für Personen, die oft in Hepatitis-A-Endemiegebiete (Gebiete, in denen eine Infektionsgefahr örtlich begrenzt auftritt) reisen. Die Infektionsgefahr ist besonders groß in China, Südostasien, Afrika und in großen Teilen Südamerikas. In Europa gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: die Zahl der Hepatitis-A-Erkrankungen ist im Süden erheblich größer als im Norden.

 

Impfung auch für Kurzentschlossene möglich
Um einen Impfschutz von voraussichtlich 10 Jahren zu erhalten, müssen die drei Impfdosen zur Grundimmunisierung im Abstand von 0, 28 und 180 bis 360 Tagen gegeben werden. Ist vor der Reise weniger als ein Monat Zeit, kann das Schema auch auf 0-14-180 Tage verkürzt werden. Nach den ersten beiden Impfungen ist bereits ein ausreichender Impfschutz vorhanden. Ist die Zeitspanne für eine aktive Impfung zu kurz, kann man mit nur einer Injektion von Abwehrstoffen (Gammaglobulin) für drei Monate sicheren Schutz vor Hepatitis A erhalten.

Ist es bereits zur Ansteckung mit Hepatitis-A-Viren gekommen, kann der Ausbruch der Krankheit nur durch Gabe von Gammaglobulin verhindert werden. Dies ist von besonderer Bedeutung, wenn ein Familienmitglied erkrankt oder Hepatitis-A-Fälle in einer größeren Gemeinschaft auftreten.

 

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Schon in Deutschland ist ein Impfschutz sehr wichtig. Jedoch ist die Ansteckungsgefahr in nahen Urlaubsländern wie Portugal oder Griechenland noch um ein Vielfaches höher.

 

Diphtherie

Ein erhöhtes Risiko, an Diphtherie zu erkranken, besteht vor allem bei Reisen in osteuropäische Länder (besonders Polen, baltische Länder, Weißrussland und Russland).

 

Gelbfieber

Durch eine einzige Impfung erhält man für ca. 10 Jahre Impfschutz. In einigen Ländern ist die Impfung bei der Einreise Pflicht (bestimmte Gebiete Afrikas, Mittel- und Südamerikas). Die Impfung ist aber in jedem Fall wichtig in den Ländern, in denen die Erkrankung noch vorkommt, auch wenn die Impfung dort nicht bei der Einreise vorgeschrieben ist. Zudem bestehen einige Länder auch auf den Impfausweis, wenn der Betreffende auf der Durchreise (z. B. bei Rundreisen) durch gelbfiebergefährdete Gebiete gekommen ist. Durchgeführt werden darf die Impfung im Übrigen nur von zugelassenen Gelbfieber-Impf-Stellen.

 

Malaria

Eine Schutzimpfung gegen Malaria gibt es derzeit noch nicht. Durch eine Vorbeugung mit Medikamenten lässt sich jedoch das Erkrankungsrisiko verringern, aber nicht vollkommen ausschließen. Wichtig sind daher neben der medikamentösen Vorbeugung entsprechende Vorsichtsmaßnahmen, wie z. B. geeignete Kleidung (weitgehende Hautbedeckung), Moskitonetz, Insekten-Repellents (Mittel gegen Malaria-Mücken), etc.

 

Cholera

Die Impfung wird heute von keinem Land mehr bei der Einreise verlangt. Gefährdete Gebiete sind: Afrika, Mittel- und Südamerika und Asien. Da eine Impfung nur etwa 50 Prozent der geimpften Personen schützt, ist umsichtiges Verhalten bei Essen und Trinken sehr wichtig.

 

Da bei Fernreisen oft mehrere Impfungen empfehlenswert sind, sollte es nicht versäumt werden, rechtzeitig den Arzt aufzusuchen, damit genügend Zeit für die einzelnen Impfungen bleibt. Ausführliche Informationen über Reiseimpfungen erhält man nicht nur beim Arzt, sondern auch bei Tropeninstituten, dem örtlichen Gesundheitsamt und in der Apotheke.